16.10.2026

Ein geglückter Umzug – eine Schönstattmadonna findet ein neues Zuhause

im Klostergarten in Marienfeld

Was tun, wenn man umziehen muss? Wohin soll die Reise gehen? Diese Fragen stellten sich auch bei einem Bildstöckchen-Denkmal, das 63 Jahre im Garten des Christ-König Kindergartens in Gütersloh stand und 1963 eingeweiht wurde. In dem Garten traf sich die Schönstatt-Mädchenjugend, um gemeinsam zur Gottesmutter zu beten. 63 Jahre später hat das Bildstöckchen ein neues Zuhause gefunden. Im Klostergarten in Marienfeld. Und ein Marienfelder Maurer hatte maßgeblichen Anteil an der Entstehung des Denkmals.

Es hat gedauert bis es so weit war:  Die Christ-König-Kirchengemeinde wollte das Bildstöckchen im Garten des Kindergartens nicht einfach seinem Schicksal, einem Abriss oder einer Verwitterung, überlassen. Seit 2022 war der Gemeindeausschuss Christ-König auf der Suche nach einem neuen geeigneten Platz für das Bildstöckchen. Im Juni 2025 warb die Gemeindereferentin Michaele Reith mit einem Plakat für einen neuen Standort.  „Nach gefühlten 100 E-Mails freue ich mich, dass die Maria jetzt einen guten Platz gefunden hat.“, freut sich Reith.

Ihre Freude verdankt sie Leo Sieweke, den die Marienfelder als Klostergärtner schätzen gelernt haben. Für ihn war es ein Glücksfall, denn in seinem Klostergarten, direkt am Jakobsweg, im Schatten des Klosters, bedeutet das Denkmal eine Bereicherung für seinen Klostergarten.

Dabei hat das Bildstöckchen eine lange Geschichte:  Die Planungen reiften 1961 heran. Etwa 100 Mädchen der Schönstatt-Bewegung in Wiedenbrück-Batenhorst waren auf der Suche nach einem Ort, an dem sie die Gnade der Gottesmutter erbitten konnten. Für eine Kapelle reichte es nicht, aber ein Bildstöckchen, das müsste doch zu realisieren sein. Die Abteilung erstreckte sich räumlich von Bielefeld über Wiedenbrück und Avenwedde bis Westenholz. Gütersloh wurde als Standort favorisiert und mithilfe der Schönstatt-Schwestern als Trägerinnen des Kindergartens und in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Christ-König fiel die Entscheidung zu Gunsten des Christ-König-Kindergartens in der Marienstraße.

Anfang des Jahres 1962 gingen die Planungen in die konkrete Phase. Mit dem Bildnis der Gottesmutter wurden zwei Künstlerinnen aus München, die ebenfalls der Bewegung angehörten, beauftragt. Kindergarten-Leiterin Schwester Reinharde gewann zwei Männer aus der Gemeinde, die ihre Fachkenntnisse in die Umsetzung des Denkmals einbrachten, um dem Mosaik den richtigen Rahmen zu geben. Zum einen war es der Architekt Herr Blobner und zum anderen der Maurer-Polier Johannes Hockmann, der ein paar Jahre später mit seiner Familie nach Marienfeld zog.

Kunst und Handwerk beanspruchten ihre Zeit und so wurde die Einweihung des Bildstöckchens auf den 23. Mai 1963 verlegt. An einem sonnigen Christi Himmelfahrtstag segnete Pfarrer Lücke die Mariendarstellung vor einer großen Besucherschar. Inzwischen leben viele Personen, die mit diesem Bildstöckchen verwachsen waren, nicht mehr. So auch der Maurer Johannes Hockmann, der 2000 verstarb. Aber seine Frau Anna Hockmann, ebenfalls Schönstätterin und mittlerweile stolze 93 Jahre alt, ist als eine der Ersten zum neuen Standort gekommen.

„Das ist ja ein schönes Plätzchen für die Gottesmutter“, ist sie überzeugt, als sie über einen von Blumen und Pflanzen gesäumten Weg im Klostergarten auf das Denkmal zugeht. Dass es einmal von der Marienstraße in Gütersloh den Weg nach Marienfeld finden würde, hätte sie nie gedacht.

Für Leo Sieweke stellte sich die Frage: Wie sollte das Bildstöckchen nach Marienfeld überführt werden? „Auf den ersten Blick sah alles leicht und einfach aus“, erinnert sich der Klostergärtner. Aber es gestaltete sich schwieriger als gedacht. Das Denkmal wurde in Einzelteile zerlegt, ein schwerer Eisenträger durchsägt und das Oberteil vorsichtig in Dach, Mosaik und Blumenhalter unterteilt. Entscheidend war, dass das Mosaik mit der Mariendarstellung den Transport unbeschadet überstand. Das hat funktioniert. Auch wenn beim Bildstöckchen nicht mehr jedes Steinchen auf dem anderen geblieben ist und es im neuen Outfit mit viel Holz und leichten Veränderungen erscheint: Im Kern, im Inneren ist es 63 Jahre später jung geblieben und bietet jetzt Jakobspilgern, Gläubigen und anderen Besuchern einen Ort der Ruhe und Besinnlichkeit.

Text: Andrea Roderfeld

Fotos: Judith Roderfeld

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