Als am 1. November 1996 in St. Friedrich ein Konzert unter R. Timmermann stattfand, ahnte niemand, dass daraus eine lange Tradition werden würde. Jedes Jahr folgte danach ein Konzert in verschiedenen Besetzungen in St Friedrich, aber auch überkonfessionell mal am 31.10. oder in deutschen Gemeinden in Venedig oder Lissabon. Nur 2020 musste es wegen Coron ausfallen, sodass in diesem Jahr das 30. Allerheiligenkonzert gefeiert werden konnte.
Als Bindeglied erklangen die „Ave Maria“ Kompositionen von Arcadelt (1507-1568) – eine der ältesten überlieferten Vertonungen – und S. Rachmaninow. Beide wurden 1996 mit dem Bläserensemble von Reinhard Gramm gespielt und 2026 als Chorsatz mit RONDO VOCALE gesungen. Ebenfalls tauchte in beiden Programmen die Meditation von Franz Liszt auf, jetzt auf der Speith-Orgel in Herz Jesu einfühlsam vorgetragen vom Leiter des Konzertes. Nach der Festansprache von Dr. Thomas Jaschke folgten beeindruckende “Ave-Maria” Darbietungen des Chores von Bruckner, Mozart und Lachner. Gestaltungsvermögen in Dynamik und Aktikulation zeigte auch im Zusammenspiel mit dem Genesisorchester in dem “Regina Coeli” für Chor und Orchester von Robert Führer. Als Solisten überzeugten Ulrike Westenfelder mit dem “Salve Regina” von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und Florian Hokamp mit dem “Ave Maris stella” von Franz Liszt (1811-1886). Beide erfüllten die voll besetzte Kirche mit ausdrucksvoller Stimme und wohlgeführten Solokadenzen. Mit drei „Ave Maria“ – Bearbeitungen erwiesen sich Christiane Koch – Fagott (Bach/Gounod), Lauré-Claire Graf – Sopran (Mozart) und Volker Höinghaus – Saxofon (Vladimir Vavilov) als souveräne Solisten, allesamt begleitet am Tasteninstrument. Die Akustik der Kirche erwies sich auch für ein Divertimento von Mozart als sehr förderlich und angenehm. Mit Engagement, Präzision und Gespür für musikalische Feinheiten leitete Lauré-Claire Graf (Violine) das Genesisquintett (Svenja Klee – Violine, Monika Adolph – Viola, Frauke Rickert (Violoncello) und Finn – Joshua Graf (Kontrabass). Als wenn das nicht genug des Genusses wäre, folgte dem Jubiläum angemessen noch die fulminante Kantate für Soli, Chor und Orchester von Rayhan Butt (*2008) „Neige dein Ohr zu mir“. Der 18- jährige Abiturient aus Bielefeld komponierte sie eigens für dieses Konzert für „RONDO VOCALE“ und den schon erwähnten Solisten. Seine außergewöhnliche musikalische Begabung brachte ein Werk hervor, das in den einzelnen Sätzen stilsichere Kopien heraushören lässt. Der majestätisch daherschreitende Eingangschor (Johannespassion) mit anschließender Chorfuge, die es an Kontrapunktik kaum zu überbieten gilt, wird gefolgt von Arien (Anlehnung an Bachkantaten) und Chorälen, die ihrerseits u.a. „Mary had a little lamb“ vermuten lassen und Themenmaterial von Camille Saint-Saens verwenden.
Eine dennoch theologisch gehaltvolle und von tiefem Glauben geprägte musikalisch ausgefeilte Komposition, deren Uraufführung der Komponist, wegen dienstlicher Verpflichtungen, leider nicht selbst mitverfolgen konnte. Ein begeistertes Publikum bedankte sich mit nicht enden wollenden Standing Ovations. Nicht genug damit – es folgte als Zugabe der erste von Rayhan Butt 2004 komponierte Choral „Gepriesen sei dein Name“, im Orchestersatz, als von 4 Instrumentalisten vorgetragenes Gesangsquartett und als tutti.

Eine weitere Komposition von R. Butt wird gerade komponiert für das Epiphaniaskonzert am 17. Januar 2027 in St. Marien um 17.00 Uhr.
Hans Broermann